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Kein Schaden für das Herz bei Lauf durch Europa – es «wächst» an seiner Aufgabe!

Slider SBM 21.11.1985

Ultramarathons werden immer beliebter. Aber es ist bislang nicht klar, ob der Herz das schadlos übersteht. Die Sport- und Bewegungsmedizin am DSBG konnte nun zusammen mit Ulmer Forschern in einem internationalen Team zeigen, dass bei einem Lauf über 4486km in 64 Tagen die Herzmuskelmasse zunimmt, sich also an die extreme Belastung anpasst und dabei gesund bleibt – im Gegensatz zu bisherigen Vermutungen. 

Der Transeuropalauf (auch Trans Europe Footrace, TEFR) war ein Lauf von Bari in Süditalien bis zum Nordkap, Norwegen - ein Lauf über mehrere tausend Kilometer quer durch Europa ohne einen einzigen Tag Pause. Nahezu unglaublich, dass dies Menschen vollbringen können. Auch unglaublich erscheint es, wenn sich ein Forscherteam parallel dazu aufmacht und die Läufer mit Hilfe eines 1.5 Tesla Kernspintomographen montiert auf einem 38 Tonnen schweren Lastwagen wissenschaftlich begleitet. Dabei wurden bei 44 Athleten regelmässig Kernspinuntersuchungen von Kopf bis Fuss durchgeführt und diese mit diversen anderen Bestimmungen von Körperfunktionen kombiniert.

Bei der vorliegenden Studie gingen die Forscher der Frage nach, ob das menschliche Herz einer solchen extremen Ausdauerbelastung standhält. Hierzu wurden bei 20 Athleten (18 Männer und 2 Frauen) Kernspinuntersuchungen des Herzens zu Beginn sowie nach durchschnittlich 1735km und 3370km durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass das Herz an Muskelmasse zunimmt und die Funktion beider Herzhälften normal bleibt. Bestätigt wird dieses durch einen nur milden Anstieg der Herzenzyme NT-proBNP und Troponin I. Beide Enzyme signalisieren normalerweise eine Schädigung des Herzmuskels. Die leichte Erhöhung hier liegt jedoch im klinisch unbedenklichen Bereich und deutet auf die Anpassung des Herzens auf den andauernden Belastungsreiz hin. Dafür sprechen auch die im Gleichgewicht befindlichen Marker des Herzmuskelwachstums, Myostatin und GDF 11.

Die Ergebnisse stehen bisherigen Annahmen entgegen, nachdem extrem grosse Pumparbeit des Herzens zu einer Kardiomyopathie, also einer Herzmuskelschädigung, beitragen könnte. Ganz im Gegenteil wächst das Herz der Läufer während des TEFR leicht im Sinne eines Sportlerherzens und bildet sich nach dem Lauf wieder auf das Niveau vor dem Lauf zurück. Generell verallgemeinern lassen sich die Ergebnisse auf Marathon- und Ultramarathonläufer nicht. Sie zeigen jedoch, dass bei Athleten, die regelmässiges, langes Lauftraining gewöhnt sind, keine Schäden am Herzen auftreten.

Nachzulesen sind die Ergebnisse im Detail im European Journal of Preventive Cardiology, die von einem Team aus Sportmedizinern, Radiologen, Kardiologen und Zellforschern mit dem Erstautor Dr. Christopher KLENK aus der Sport- und Bewegungsmedizin des DSBG kürzlich publiziert wurden.

Originalbeitrag

Klenk, C.; Brunner, H.; Nickel, T.; Sagmeister, F.; Yilmaz, A.; Infanger, D.; Billich, C.; Scharhag, J.; Vogeser, M.; Beer, M.; Schutz, U. & Schmidt-Trucksass, A.
Cardiac structure and function in response to a multi-stage marathon over 4486 km
Eur J Prev Cardiol (2019), doi: 10.1177/2047487319885035
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/2047487319885035

Weiter Auskünfte
Prof. Dr. Arno Schmidt-Trucksäss, Universität Basel, Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit, Tel. +41 61 207 47 40, E-Mail: arno.schmidt-trucksaess@unibas.ch