/ Forschung

Sportintervention in griechischem Flüchtlingscamp durch Swiss Network for International Studies mit 250'000.- Franken gefördert

Aufgrund anhaltender politischer und sozialer Konflikte hat die Zahl der internationalen Flüchtlinge in den letzten Jahren stark zugenommen. Flüchtlinge sind während ihrer Flucht erheblichen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt und machen oftmals traumatische Erfahrungen. Infolgedessen ist das Risiko für psychiatrische Störungen bei internationalen Flüchtlingen besonders hoch ausgeprägt.

Internationale Organisationen sehen im Fehlen frühzeitiger Interventionen ein zentrales Problem, da unbehandelte psychische Störungen zu einem späteren Zeitpunkt oft schwer zu heilen sind. Bewegung und Sport werden heute erfolgreich zur Behandlung einer Vielzahl psychiatrischer Störungen eingesetzt. Bei Personen mit Post-traumatischen Belastungsstörungen ist die empirische Befundlage aktuell jedoch noch unzureichend, und Studien mit internationalen Flüchtlingen sind nahezu inexistent.

2017 haben wir deshalb im Rahmen einer Masterarbeit in einem griechischen Flüchtlingslager eine erste Pilotstudie mit «pre-test/post-test» Design durchgeführt. Darin ergaben sich erste Hinweise, dass sich Bewegung und Sport günstig auf die psychische Gesundheit und Fitness von Flüchtlingen auswirken können.
Auf der Pilotstudie aufbauend hat nun eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Gerber, weiteren Experten der Universität Basel (Prof. Dr. Uwe Pühse, Prof. Dr. Dominque De Quervain, Dr. Sebastian Ludyga, Dr. Flora Colledge, Dr. Harald Seelig, Florian Knappe), der Universität Zürich (Prof. Dr. Roland von Känel), der Universität Bern (Dr. Marianne Meier) und Kollegen der Universität Thessaly (Prof. Dr. Antonis Hatzigeorgiadis, Prof. Dr. Yannis Theodorakis, Dr. Ioannis Morres) beim Swiss Network for International Studies (SNIS) einen Antrag gestellt, um die Thematik in einer Studie mit einem ausgereifteren Design vertiefen zu können. In einem kompetitiven Verfahren (8 von 68 Projekte gefördert) wurde der Antrag positiv evaluiert und mit 250'000.- CHF unterstützt.

Dies ermöglicht der internationalen Forschungsgruppe, in den nächsten zwei Jahren im Koutsochero Flüchtlingscamp in der Nähe der Stadt Larissa (Griechenland) eine randomisierte kontrollierte Studie durchzuführen. Dabei werden eine Bewegungs- und Sportinterventionsgruppe (n = 68) und eine Wartelisten-Kontrollgruppe (n = 68) miteinander verglichen. Die Teilnehmenden (50% Männer / Frauen, 16-59 Jahre) werden zu Studienbeginn, unmittelbar nach der Intervention (nach 3 Monaten) und nach dem Follow-up (nach 6 Monaten) dreimal untersucht. Im zweiten Studienjahr soll das Programm für alle Campbewohner/-innen geöffnet werden. Die Programminhalte werden auf die Bedürfnisse und Präferenzen der Teilnehmenden abgestimmt und diese können zwischen einer Reihe von Aktivitäten auswählen. Ein zentrales Ziel des Projekts besteht ferner darin, eine Strategie zu entwickeln, wie das Trainings- und Sportprogramm nach Ablauf der SNIS-Finanzierung fortgesetzt werden kann und wie das Programm über die Grenzen des Koutsochero Flüchtlingscamp hinaus verbreitet werden kann.

Studierende am DSBG werden die Möglichkeit haben, im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten zum Gelingen des Projekts beizutragen. Interessierte können sich bei Prof. Dr. Markus Gerber (markus.gerber@unibas.ch) melden.

Informationen zur Pilotstudie finden sich unter folgenden zwei Links:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31618825/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6950628/