Forschung im Bereich Sport- und Bewegungsmedizin

Zu den sportmedizinischen Forschungsschwerpunkten und Aufgaben zählen die Evaluation der Wirksamkeit von primär- und sekundärpräventiven Lebensstiländerungen auf Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Hypertonie, kardio-metabolische und Demenzerkrankungen. Körperliche Aktivität und Sport stehen dabei im Vordergrund. Ziel ist u.a. die modellhafte Implementierung der Programme im Gesundheitssystem und auf gesellschaftlicher Ebene.
Spezielle wissenschaftliche Kompetenz liegt vor auf dem Gebiet der Gefäßadaptation an Bewegung und Sport und deren Interaktion mit kardio-vaskulären Risikofaktoren und manifesten Erkrankungen. Bei den Untersuchungen des arteriellen Gefäßsystems werden hochentwickelte Messmethoden und Bildanalyseverfahren eingesetzt. Ein zweiter Bereich betrifft die gerätegestützte Erfassung von körperlicher Aktivität und Leistungsfähigkeit. Beide Schwerpunkte sind für die interdisziplinäre Forschung mit anderen Bereichen der Medizin hervorragend geeignet.

Forschung im Bereich Bewegungs- und Trainingswissenschaft

Bewegungsinterventionen im Lebensverlauf

Das Ausmass körperliche Aktivität und Fitness im Kindesalter ist von zentraler Bedeutung für das Bewegungsverhalten im weiteren Lebensverlauf. Im Rahmen der Sportcheck+-Studie wird der Gesundheits- und Fitnesszustand aller Schüler der 1. Primarklasse des Kantons Basel-Stadt erhoben. Die Daten werden sowohl für individuelle Empfehlungen als auch für die Planung von generellen Bewegungsangeboten genutzt.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Verletzungsprävention im Kinderfussball. Auf der Basis von umfangreichen epidemiologischen Verletzungsdaten entwickelten wir in Kooperation mit dem medizinischen Forschungszentrum der FIFA ein altersgerechtes Verletzungspräventionsprogramm für den Kinderfussball (FIFA 11+ Kids), dessen Wirksamkeit in einer multizentrischen Studie in vier europäischen Ländern überprüft wurde.

Das Projekt MovingCall umfasst die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eines Programms zur Bewegungsförderung bei Erwachsenen. Das Programm beinhaltet Verhaltensänderungstechniken und wird über eine interaktive Homepage sowie ein individuelles Coaching vermittelt. Wir untersuchen die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit praxisnaher Formen der Bewegungsförderung hinsichtlich der Steigerung der körperlichen Aktivität.

In mehreren Studien beschäftigen wir uns mit bewegungsbezogenen Konzepten zur Gesundheitsförderung und der Sturzprophylaxe im Alter. Zudem gibt es vermehrt Hinweise, dass körperliche Aktivität die kognitive Leistung im Alter positiv beeinflussen kann. Wir untersuchen daher akute und chronische Effekte von verschiedenen Bewegungsinterventionen auf kognitive Fähigkeiten.

Bewegungsinterventionen in klinischen Populationen

Die Chemotherapie-induzierte periphere Polyneuropathie (CIPN) ist eine der häufigsten und relevantesten Nebenwirkungen der Chemotherapie. Spezifische Bewegungsinterventionen haben sich im Sinne einer Symptomminderung als vielversprechend erwiesen. Wir untersuchen Effekte von verschiedenen neuromuskulären Bewegungsprogrammen auf die Symptomatik einer CIPN. Weiterhin sollen physiologische Hintergründe aufgedeckt werden.

Patienten mit depressiven Erkrankungen reagieren positiv auf ausdauerorientiertes Bewegungstraining. Wir untersuchen Fragen zur optimalen Gestaltung solcher Trainingsprogramme. Zudem erforschen wir individuelle Trainingskonzepte, welche sich an persönlichen Zielen, Hintergründen und Barrieren orientieren und sowohl im stationären als auch nicht-stationären Bereich implementiert werden können. 

Bisherige Studien haben gezeigt, dass Ausdauertraining bei Migränikern die Kopfschmerzsymptomatik reduzieren kann. Begleiteffekte auf die Hirnstruktur und -funktion sowie die retinale Mikrozirkulation in Abhängigkeit von der Trainingsintensität sind bislang noch nicht erforscht. Daher untersuchen wir die Beeinflussung der Symptomatik unter Berücksichtigung von zerebralen, vaskulären und kardio-zirkulatorischen Parametern.

Forschung im Bereich Sportwissenschaft

Forschung und Lehre am DSBG beschäftigen sich schwerpunktmässig mit dem Themenfeld Sport, Bewegung und Gesundheit. Gesundheit wird hierbei umfassend als bio-psycho-soziales Phänomen verstanden. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich der Bereich Sportwissenschaft primär mit der psycho-sozialen Gesundheit, wobei explizit auch eine Brücke zu biologischen Phänomenen geschlagen wird.

Aus dem Blickwinkel von Bewegung und Sport werden Themen aufgegriffen, die von aktueller und voraussichtlich auch zukünftiger gesellschaftlicher Relevanz sind. Bei diesen „Themen der Zukunft“ handelt es sich beispielsweise um folgende Punkte:

  • Bewegungsförderung und Bewegungsberatung vor dem Hintergrund des Bewegungsmangels in der Gesellschaft;
  • Stress und eine gestörte Work-Life-Balance als Folge veränderter Lebens- und Arbeitsbedingungen („new work“);
  • daraus resultierende klinisch relevante Probleme in Form von Depression, Burnout und sonstigen psychischen Belastungen der Gesundheit; und schliesslich (nachgeordnet und noch auszubauen)
  • Bewegung und Sport in einer alternden Gesellschaft („Silver Society“) in Folge offensichtlicher demographischer Entwicklungen.

Diese Themen (Bewegungsmangel, Stress, Depressionen etc, und alternde Bevölkerung) werden häufig als Probleme, d. h. aus pathogenetischer Perspektive beschrieben. Im Zentrum steht hier die Frage, welche Faktoren dazu beitragen, dass Menschen krank werden resp. dass es zu gesellschaftlichen Problemlagen kommt. Diese Perspektive soll nur ein Ausgangspunkt der Arbeit in Forschung und Lehre in der Abteilung Sportwissenschaft sein. Ziel ist es darüber hinaus, die Phänomene aus einer salutogenetischen Perspektive zu betrachten, d. h. die Frage zu stellen, welche Faktoren dazu beitragen können, dass Menschen trotz steigender Belastungen und veränderter Umweltbedingungen gesund bleiben. Hierbei liegt der Fokus auf der Stärkung von Ressourcen durch Bewegung und Sport zur besseren Bewältigung der Herausforderungen des alltäglichen Lebens. So liegt zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Thema Bewegungsmangel der Fokus auf Motivation, Verhaltensänderung, nachhaltiger Entwicklung alternativer Lebensstile sowie Steigerung von Lebensqualität. Vor dem Hintergrund steigender Stressbelastungen und daraus resultierenden klinisch relevanter Probleme sind Stressmanagement und die Förderung von protektiven Ressourcen (z. B. mentale Toughness, Selbstkontrolle) weitere Kernthemen. Und schliesslich wird im Sinne einer translationalen Forschung beabsichtigt, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete, praxisnahe Produkte zu überführen. Ziel dieses Vorgehens ist es, mit Hilfe der entsprechenden Produkte die Praxis möglichst positiv zu beeinflussen. Folgendes Schaubild gibt einen Überblick über die zentralen Arbeitsbereiche der Abteilung Sportwissenschaft am DSBG.

Downloads: SRF1 Sendung Doppelpunkt vom 21.05.2013

Kontakt

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Prof. Dr. Arno Schmidt-Trucksäss
Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit
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CH-4052 Basel
Tel: +41 (0)61 207 47 40
Fax: +41 (0)61 207 47 42
arno.schmidt-trucksaess-at-unibas.ch

Bereichsleiter Bewegungs- und Trainingswissenschaft
Prof. Dr. Lukas Zahner
Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit
St. Jakob Arena
Mittlere Allee 18
CH-4052 Basel
Tel: +41 (0)61 207 47 37
Fax: +41 (0)61 207 47 42
lukas.zahner-at-unibas.ch

Ordinarius für Sportpädagogik
Prof. Dr. Uwe Pühse
Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit
Villa Burckhardt
Gellertstrasse 156
CH-4052 Basel
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Fax: +41 (0)61 207 47 89
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