Fachbereich Präventive Sportmedizin und Systemphysiologie

Wir untersuchen, wie körperliche Aktivität und Bewegungstherapie die vaskuläre und physiologische Alterung verlangsamen, verhindern oder ihr entgegenwirken können – und zwar über die gesamte Lebensspanne. Unsere Arbeit verbindet molekulare Mechanismen, Systemphysiologie, innovative nicht-invasive Bildgebung und klinische Anwendung. Übergeordnetes Ziel ist es, die protektiven Effekte von Bewegung auf das kardiovaskuläre und metabolische System mechanistisch zu verstehen und in individualisierte Präventions- und Therapiestrategien zu übersetzen.

Retinale Mikrozirkulation und Cardio-Oculomics
Oculomics

Blick ins retinale Gefässlabor des DSBG (Foto: Cartes Fotografie)

Das Auge bietet einen einzigartigen, nicht-invasiven Zugang zur systemischen Gesundheit. Die retinalen Gefässe erlauben die direkte Beurteilung der humanen Mikrozirkulation und weisen enge strukturelle wie funktionelle Bezüge zur zerebralen Zirkulation auf. Gleichzeitig gilt die Retina als Fenster zum Herzen, da retinale Gefässveränderungen systemische kardiovaskuläre Prozesse widerspiegeln.

Unser Cardio-Oculomics-Ansatz kombiniert komplementäre Verfahren der retinalen Bildgebung: die statische und die dynamische retinale Gefässanalyse, die optische Kohärenztomographie-Angiographie sowie die Laser-Speckle-Flowgraphie. Erfasst werden Gefässdurchmesser, Endothelfunktion, neurovaskuläre Kopplung, Kapillardichte, mikrovaskuläre Perfusion sowie hämodynamisch relevante Parameter wie der periphere Widerstand. Die getrennte Betrachtung des arteriolären und des venulären Kompartiments erlaubt es, präkapilläre Widerstandsmechanismen von metabolisch getriebenen Gefässsignalen abzugrenzen. Daraus ergibt sich ein hohes Potenzial für die Früherkennung, die kardiovaskuläre Risikostratifizierung und das Monitoring subtiler therapieinduzierter Gefässadaptationen.

Gefässphysiologie und die «Exercise Polypill»

Das Gefässsystem reagiert auf jeder Ebene auf Bewegung, von den grossen Arterien über Arteriolen bis zu Kapillaren und Venolen. In einem systemphysiologischen Ansatz untersuchen wir, wie körperliche Aktivität und strukturierte Bewegungsinterventionen vaskuläre, kardiale, autonome, inflammatorische und metabolische Alterungsprozesse beeinflussen. Bewegung wirkt dabei als «Exercise Polypill», also als multimodale Intervention, die mehrere physiologische Systeme gleichzeitig adressiert. Wir verfolgen diese Effekte von epigenetischen und molekularen Mechanismen bis zur Funktion des Gesamtorganismus, mit besonderem Fokus auf Gefässstruktur, Endothelfunktion, mikrovaskuläre Regulation und kardiometabolische Resilienz.

Atherosklerose und kardiometabolische Erkrankungen
Spiro

Durchführung einer Spiroergometrie (Foto: Maria Patzschke)

Die vaskuläre Alterung ist eng mit der Entstehung der Atherosklerose verknüpft. Sie beginnt mit frühen Gefässwandveränderun-
gen und Fettstreifen und kann bis zu instabilen Plaques, Plaqueruptur und manifesten kardiovaskulären Ereignissen fortschreiten. Ein zentraler klinischer Schwerpunkt liegt daher auf der frühzeitigen Identifikation und Behandlung kardiometabolischer Risikokonstellationen, darunter Prä-Diabetes, Prä-Hypertonie, adipositasassoziierte Gefässdysfunktion und reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit.

Translationale Bewegungs- und Gefässmedizin

Unsere Forschung verbindet Grundlagenarbeit in der Bewegungs- und Gefässphysiologie mit angewandter klinischer Bewegungstherapie. Dieser integrative Zugang ist relevant für die Prävention, die Früherkennung und die Behandlung kardiovaskulärer, metabolischer, neurodegenerativer und inflammatorischer Erkrankungen. Letztlich wollen wir bestimmen, wer von welcher Bewegungsintervention am meisten profitiert, zu welchem Zeitpunkt sie eingesetzt werden sollte und wie sie sich auf individuelle Gesundheitsprofile optimieren lässt.

Henner Hanssen

Prof. Dr. Henner Hanssen

Leiter Fachbereich Präventive Sportmedizin und Systemphysiologie

Manuel Huber

Sekretariat: Manuel Huber
Fachbereich Präventive Sportmedizin und Systemphysiologie

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